Über stopFGM

3. November 2013

Weltweit sind etwa 200 Millionen Frauen genital verstümmelt. Teile der äußeren Genitalien wurden ihnen mit Messern, Glasscherben oder Rasierklingen weggeschnitten, meist als Kind, oft schon als Baby. Sie sind jeglicher Lust an Sexualität beraubt, sie leiden ein Leben lang unter psychischen und physischen Qualen, beispielsweise deshalb, weil vor jeder Geburt, zum Teil sogar vor jedem Geschlechtsverkehr die Genitalien aufgeschnitten und danach wieder zugenäht werden. Täglich kommen weltweit etwa 7000 Mädchen dazu, die solcherart verstümmelt werden und so einen Teil ihrer Zukunft verlieren, wenn sie nicht an den Folgen des Eingriffes sterben, der fast immer unter unvorstellbaren unhygienischen Bedingungen vor sich geht. Mehr als die Hälfte aller genitalen Verstümmelung ereignen sich laut UNICEF in drei Ländern: Indonesien, Ägypten und Äthiopien.

Genitalverstümmelung von Frauen ist nicht religiös begründet, macht vor keiner gesellschaftlichen Schicht halt und ist nicht nur im fernen Afrika zu finden. FGM (female genital mutilation) passiert auch in Asien, in manchen Ländern Lateinamerikas und Europa – auch in Österreich. Eltern glauben, ihren Töchtern nur durch die sexuelle Verstümmelung ein gutes Leben an der Seite eines Ehemannes garantieren zu können; Mädchen glauben, sie seien ohne den Eingriff nicht rein, nicht schön.

Mit einer 5000 Jahre alten Tradition zu brechen ist nicht einfach und trotzdem notwendig. Viele Familien, Clans und Dörfer haben dies erkannt und es setzt ein Umdenken ein: Familien ersparen ihren Töchtern den unvorstellbar grausamen Eingriff in ihre Integrität, immer mehr Männer bzw. deren Familien verzichten darauf, dass ihre zukünftigen Ehefrauen sich dem Ritual unterzogen haben.

 

Am 6. Februar 2003 wurde bei einer Konferenz des Inter African Committee der „International Day of Zero Tolerance to FGM“ ausgerufen. Die Deklaration ist ein Ergebnis des Tabubruchs, des Öffentlich -Machens des Unfassbaren, die Frucht der aufopfernden Arbeit vieler afrikanischen Frauen- und Menschenrechts-Organisationen. Der 6. Februar ist ein Gedenktag, an dem es gilt, Vereinbarungen im Kampf gegen FGM zu erneuern, an dem wir unsere Aufmerksamkeit auf das Problem fokussieren und uns selbst an die Konsequenzen erinnern, an dem alle am Kampf Beteiligten ihre Erfolge und Probleme überdenken; ein Tag, an dem neue Schritte geplant werden, an dem wir alle MeinungsbildnerInnen, politisch Verantwortliche und Involvierten daran erinnern, noch mehr dazu beizutragen, dieses grausame Ritual für immer auszulöschen und damit Frauen Freiheit, Selbstbestimmung und Würde zurückzugeben.

Die unterzeichnenden Organisationen, Medien und Personen unternehmen alles in ihrer Macht stehende, um über weibliche Genitalverstümmelung aufzuklären und wo immer möglich konkrete Aktivitäten zu unternehmen oder zu unterstützen, die dazu beitragen dieses Ritual zu stoppen. Die Unterzeichnenden versuchen gemeinsam, den 6. Februar als den internationalen Gedenktag für „Keine Toleranz gegenüber FGM“ in ihrem Umfeld bekannt zu machen und so die Bewusstseinsbildung bei direkt Betroffenen und bei allen anderen Menschen, die für das Recht der Menschenwürde von Frauen durch Auslöschung von FGM eintreten wollen, zu schärfen.