Fehlende Daten zu FGM

6. November 2018

Dass FGM auch für die Länder der EU ein Thema ist, ist klar, in welchem Ausmaß jedoch ganz und gar nicht. Auf die Frage, wie viele Frauen, die von FGM betroffen sind, in Schweden, Rumänien oder in Österreich leben, gibt es keine seriöse Antwort. Unbeantwortet bleibt auch die Frage, wie viele Mädchen und Frauen in der EU von FGM bedroht sind. European Institute for Gender Equality (EIGE) hat zur Frage nach den Daten mehr publiziert, als es zu Daten selbst veröffentlichen kann.

In den allermeisten Fällen beruhen Zahlen auf Schätzungen, die sich auf unterschiedlich valide Quellen stützen. EIGE hat 2013 folgend zwei Studien über die Situationen der Mitgliedstaaten herausgegeben:
In der umfangreichen Veröffentlichung „Study to map the current situation and trends of FGM – Country reports“: trugen die AutorInnen vorhandene Daten, Gesetzgebung, Anlaufstellen etc. in einzelnen Länderberichten zusammen.

Der Bericht „Female genital mutilation in the European Union and Croatia . Report” bietet einen guten Überblick über die Situation in den Mitgliedstaaten, Internationale Standards und die Arbeit der verschiedenen EU-Institutionen.

2015 hat EIGE einen Leitfaden herausgegeben, der helfen soll, das FGM-Risiko in einer Region oder einem Land der EU zu schätzen. Neben den meist nur spärlich vorhandenen Daten zu FGM sind allen voran Informationen über MigrantInnen, Flüchtlingen und AsylwerberInnen aus Ländern, in denen FGM praktiziert wird, für Schätzungen relevant.

Gute Beispiele zur Erhebung von Zahlen hat EIGE 2016 in „Female Genital mutilation – Good practices on collecting administractive data on female genital muitlation“ veröffentlicht. In Portugal wird etwa auf Initiative des Gesundheitsministeriums eine Gesundheitsdatenbank geführt, die geschlechterbasierte Gewalt, so auch FGM, registriert, die von Gesundheitspersonal festgestellt wird.

Auch in Österreich nur Daumen mal Pi
Jede Person, die sich in Österreich mit FGM zu beschäftigen beginnt, stellt rasch die Frage nach der Zahl der Betroffenen. Eine seriöse Antwort gibt es nicht.

Die einzige publizierte Zahl für Österreich stammt aus dem Jahr 2000. Die Afrikanische Frauenorganisation veröffentlichte den Bericht „A study of female genital mutilation in Austria: the use of female genital mutilation (FGM) on migrants in Austria“. Dafür wurden 250 afrikanische MigrantInnen aus 11 afrikanischen Ländern, darunter Somalia, Sudan, Äthiopien, Ägypten, Nigeria und Sierra Leone, befragt. Der Bericht schätzt, dass 6.000 bis 8.000 Frauen im Jahr 2000 von FGM betroffen waren. Das kleine Sampling legt Fragen zur Qualität der Daten nahe.

Heute, mehr als 15 Jahre und zahlreiche Ein- und Auswanderungsbewegungen später, gibt es immer noch keine verlässlichen Daten. Der GREVIO Bericht sprach 2017 in 45 Empfehlungen konkrete Maßnahmen aus, um Gewalt gegen Frauen und Mädchen besser zu vermeiden und Betroffene effektiv zu unterstützen. Es finden sich auch zahlreiche Empfehlungen, die auf die Prävention von FGM und auf eine wirksame Unterstützung von betroffenen Frauen und Mädchen abzielen. Und es gibt auch eine Empfehlung, die Prävalenz von FGM in Österreich festzustellen. Hoffentlich setzt die Regierung diese Empfehlung weise um.

Links:
EIGE, 2013: Schätzung der Anzahl der Mädchen, die in der Europäischen Union von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht sind – Schritt-für-Schritt-Leitfaden: https://publications.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/d925bec3-787e-11e5-86db-01aa75ed71a1/language-de

EIGE, 2013: Study to map the current situation and trends of FGM https://publications.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/4cd4b390-1680-4e47-80c3-fbf47ded0970/language-en

EIGE, 2015: Female genital mutilation in the European Union – Report https://eige.europa.eu/node/330

EIGE, 2016: Female genital mutilation: Good practices on collecting administrative data on female genital mutilation
https://eige.europa.eu/rdc/eige-publications/female-genital-mutilation-good-practices-collecting-administrative-data-female-genital-mutilation

Europe Convention on Preventing and Combating Violence against Women and Domestic Violence, Council of Europe, 2017: GREVIO Baseline Evaluation Report Austria https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/1/1/6/CH1573/CMS1506417636916/grevio_baseline_evaluation_report_austria_barrier_free.pdf